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Dafür setzen wir uns ein:

  • Förderung des Bewusstseins um unser einzigartiges bäuerliches Natur- und Kulturerbe
  • Förderung der Landschaftspflege durch standortangepasste Wirtschaftsweisen
  • Förderung der Aus- und Weiterbildung im Einklang mit unserer Kulturlandschaft
  • Förderung von bäuerlichen Zukunftsmodellen in unserer Kulturlandschaft
  • Förderung eines sozialen und humanen Zusammenlebens im ländlichen Raum
  • Ehrliche und faire Honorierung der bäuerlichen Leistungen für die Gesellschaft 

 

Schwarzwälder Thesen

Unsere Mittelgebirge - Indikator einer nachhaltigen und multifunktionalen Agrarpolitik

Ergebnis einer Fachtagung in Vöhrenbach im Schwarzwald mit über 50 Teilnehmern


1.Unsere Mittelgebirge sind Kulturlandschaften mit besonders reichem Natur- und Kulturerbe. Dieser Reichtum ist lebendiger Ausdruck der Leistung vieler Generationen hier lebender und arbeitender Menschen, besonders der Bauern und Bäuerinnen. Ihr nachhaltiger Umgang mit den besonderen natürlichen Gegebenheiten hat den Mittelgebirgen den Reiz verliehen, der Menschen aus Nah und Fern zur Erholung einlädt und der zu Recht Teil des Selbstbewusstseins der hier lebenden Menschen ist

.Je schöner die Landschaft umso schwieriger ist aber die Landwirtschaft. In den Mittelgebirgen sind die Grenzen der Rationalisierung der Erzeugung und des betrieblichen Wachstums enger als in landwirtschaftlichen ,,Gunstlagen'. Der Wiederspruch zwischen dem Druck zur Rationalisierung sinkender Lebensmittelpreise einerseits und der Rolle als Landschaftspfleger andererseits haben die Bergbäuerinnen und -bauern in eine Sinnkrise geführt. Deshalb ist die Attraktivität des bäuerlichen Berufes die zentrale Zukunftslage der Mittelgebirgslandschaften.


3.Nachhaltige Perspektiven für die Berglandwirtschaft entstehen nicht allein mit Förderprogrammen. Die mit der Förderung verbundene Bürokratie lähmt bäuerliche Eigenverantwortung und Innovationskraft Nur ein Gleichgewicht zwischen Pflege der Kulturlandschaft und Erzeugung von Lebensmitteln gibt einer multifunktionalen Landwirtschaft Sinn. Die besondere Qualität der Erzeugnisse aus den Bergregionen bietet sich für die Entwicklung regionaler Qualitätsmarken geradezu an. Der überdurchschnittlich hohe Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe in den Mittelgebirgen kann diese Marktchancen noch verbessern, wie Beispiele zeigen. Zur Nutzung dieser Chancen brauchen regionale Verarbeitungs- und Vermarktungswege aber bessere Unterstützung.


4. Durch die EU-Agrarreform 1992 und deren Fortschreibung in der Agenda 2000 sind die Mittelgebirge aufgrund ihrer hohen Grünlandanteile zusätzlich benachteiligt worden. Denn durch die Prämien für Silomais und Futtergetreide ist es billiger geworden, Wiederkäuer wie Kühe oder Mastrinder mit Silomais und Getreide zu füttern als mit Gras. Die Gleichstellung des Grünlandes mit anderen Kulturpflanzen bei der EU-Förderung ist im Sinne einer nachhaltigen Landwirt-schaft, einer artgerechten Tierhaltung und für die Grünlandnutzung in Mittelgebirgen und damit für die Offenhaltung ihrer Landschaften dringend notwendig.


5. Die klassischen Erzeugnisse der Mittelgebirgs-Landwirtschaft sind Milch und Rindfleisch. Die mit der Agenda 2000 vorgesehene Liberalisierung von Milchpreis und Milchquoten stellt jedoch die Milcherzeugung in den Mittelgebirgen mit ihren vergleichsweise höheren Erzeugungs- und Erfassungskosten in Frage. Deshalb sind die Beschlüsse der Agenda 2000 zum Milchmarkt zu überdenken und zugunsten einer nachhaltigen, ans Grünland gebundenen Milcherzeugung zu korrigieren. Außerdem ist die knappe Zahl an Prämienrechten für Mutterkühe in Deutschland ein weiterer begrenzender Faktor für die Grünlandnutzung in den Mittelgebirgen.


6. Das System der Kulturpflanzen und Tierprämien der Europäischen Union ist nicht nur mit viel Bürokratie verbunden, sondern benachteiligt die bäuerliche Landwirtschaft in den Mittelgebirgen auch, weil eine Arbeitskraft im Bergland zwangsläufig weniger Fläche bewirtschaften und Tiere betreuen kann als in Gunstlagen. Deshalb ist die Anbindung der Prämien an die Arbeitsleistung der Betriebe über die Modulation ein Weg zu mehr Gerechtigkeit in der Agrarförderung.

7. Auch bei Einführung einer Grünlandprämie bleiben die Bewirtschaftungserschwernisse der Berglandwirtschaft gegenüber der Grünlandnutzung in den Ebenen unberücksichtigt. Deshalb ist die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete weiterhin unverzichtbar. Mit steigender Höhenlage nehmen Ertragsniveau und Intensivierungsmöglichkeiten ab. Hanglagen und Feuchtgebiete stehen der Nutzung des technischen Fortschrittes entgegen. Aufgrund dieser unterschiedlichen Bewirtschaftungserschwernisse in den Mittelgebirgen sollte die Ausgleichszulage differenziert und, nach österreichischem Vorbild, am tatsächlichen Arbeitsaufwand orientiert werden.

8.Die Landwirtschaft in Mittelgebirgen erfüllt eine vorbildliche Multifunktion. Die Bemühungen einzelner Bundesländer zur Honorierung ökologischer Leistungen werden bisher durch die Benachteiligung des Grünlandes bei den EU-Prämien kompensiert. Damit die ökologischen Leistungen der Land-wirtschaft mehr Anerkennung finden, ist eine nachvollziehbare Bewertung dieser Leistungen Grundlage für eine multifunktionale Agrarpolitik.

9.Bäuerliches Wissen und Können wird bei der Landbewirtschaftung in Mittelgebirgen zum knappsten Faktor. Der von Rationalisierungsbestrebungen beherrschten Lehrmeinung stehen besondere standörtliche Gegebenheiten entgegen. Standortgerechte Grünlandnutzung, Weide-wirtschaft, Ökologie und Einkommenskombinationen sowie Waldwirtschaft haben in den Mittelgebirgen besondere Bedeutung, der die standardisierten Lehrpläne nicht gerecht werden. Deshalb braucht die Landwirtschaft der Mittelgebirge regionsspezifische Informations-, Bildungs- und Beratungsangebote.

10. Mittelgebirge haben je nach regionalen Gegebenheiten und geschichtlicher Entwicklung sehr unterschiedliche Strukturen. Deshalb brauchen sie ihre jeweils eigene Entwicklungsstrategie. Mit den bisherigen Instrumenten ist weder die Erhaltung der Biodiversität einschließlich regionaler Tier- und Pflanzenarten noch die der regionalen Infrastrukturen gelungen. Deshalb müssen aus dem Nebeneinander von Instrumenten wie Schutzgebieten, Naturparken, Leader-Regionen usw. integrierte regionale Entwicklungskonzepte für die Mittelgebirgsregionen aufgebaut werden. Die Erfahrungen aus den französischen Regionalparken und dem Bundeswettbewerb ,,Regionen Aktiv" sowie dem baden-württembergischen Plenum" sollten baldmöglichst für die Mittelgebirgsregionen genutzt werden.